25 Jahre deutsche Einheit

Heino Oehring, Vorstand der Harzer Volksbank blickt zurück

Vor 25 Jahren wurde aus zwei deutschen Staaten ein Land. Eine Zeit der Chancen und Neuanfänge. Heino Oehring, Vorstand der Harzer Volksbank stand damals am Anfang seiner Karriere, heute leitet er gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Hans-Heinrich Haase-Fricke und Bernd Grund die Geschicke der größten Volksbank Sachsen-Anhalts. Im Interview berichtet er über die Zeit.

Heino Oehring im Interview

Frage: Herr Oehring, Sie selbst sind gebürtiger Quedlinburger, sind in dieser Stadt aufgewachsen, haben Schule und Abitur in Thale absolviert. Wie haben Sie die Zeit vor 25 Jahren erlebt?
Zu der Zeit war ich gerade 20 Jahre alt, hatte mein Abitur am BBZ Thale absolviert und war kurz vor der Vollendung meines Wehrdienstes. In uns allen bebte die Euphorie, die Günter Schabowski nur elf Monate zuvor durch seine Ansprache vor Pressevertretern aus aller Welt geweckt hatte. Diese hat mich in dieser Zeit getragen. Es gab so viel Neues zu entdecken und es öffneten sich viele Möglichkeiten, die noch kurz vorher undenkbar waren.

 

Frage: Sie standen zur Wende vor der Berufswahl. Wo würden Sie heute arbeiten wenn die Einheit nicht gekommen wäre?

Auf meine Berufswünsche hatte die Wende nur wenig Einfluss. Ich hatte zwei Möglichkeiten schon vorab klar vor Augen. Entweder ein Studium an der TU Dresden zum Maschinenbauingenieur mit anschließender Tätigkeit in einem volkseigenen Betrieb wie dem Eisenhüttenwerk in Thale oder eine Ausbildung in der Staatsbank zum Finanzbeamten. Den zweiten Wunsch habe ich mir dann im Januar 91 mit einer Ausbildung bei der Volksbank Hameln erfüllt.

 

Frage: Haben Sie mit den 100 D-Mark Begrüßungsgeld etwas gekauft oder als angehender Bankkaufmann investiert.

Durch meinen Wehrdienst war mir ein kurzfristiger Westausflug nicht möglich. Meinen ersten Grenzgang am 5. Januar 1990 werde ich dennoch nie vergessen, da nur wenige Tage zuvor das Begrüßungsgeld offiziell eingestellt wurde. Mein erstes Westgeld habe ich daher von meiner Familie erhalten und in ein Bahnticket von Magdeburg nach Köln investiert, wo ich meine Familie besuchte.

 

Frage: Hätten Sie geglaubt einmal die größte Volksbank Sachsen-Anhalts zu managen?
Ich habe es mir zumindest gewünscht und seit meinem Praktikum konsequent darauf hingearbeitet. Bereits als Jungbanker habe ich von der genossenschaftlichen Bankakademie in Montabauer geträumt und dieses Ziel über meine Tätigkeit als Firmenkundenbetreuer, Individualkundenbetreuer und Leiter des Bereiches Firmenkundenbetreuung nie aus den Augen verloren.

 

Frage: Was denken Sie unterscheidet den heutigen Bankkunden mit all seinen Wünschen, Plänen aber auch Ängsten vom Bankkunden der damaligen Zeit? Der Zeit vor dem Jahr 1990?
Einige Bedürfnisse haben sich seit dieser Zeit grundlegend gewandelt. Durch die Aufbruchsstimmung der späten 80er Jahre mit Zinsen um die acht Prozent, lag der Fokus in der Existenzsicherung. Das moderne Bankgeschäft hingegen beschäftigt sich mit der nachhaltigen Konsumierung von Sachwerten und Bildung aber auch der Erfüllung persönlicher Träume. Grundvoraussetzung und Rechtfertigung unserer Arbeit ist und bleibt jedoch das Vertrauen unserer Mitglieder und Kunden gegenüber unserer Bank.

 

Und das tun sie offensichtlich. Ihre Bank hat allein im letzten Geschäftsjahr 30 Millionen Euro neue Finanzierungen für Firmen vergeben. 30 Millionen für die Förderung mutiger Ideen, das Weiterführen guter Arbeit oder die Hilfe in Krisensituationen. Das hat schon eine politische und wirtschaftliche Bedeutung in unserer Region. Vielen Dank für das Interview.