Bande statt umgekippte Bänke

Die Floorballer des BRSV Sine Cura bekommen Hilfe.

VON DETLEF ANDERS/MZ QLB - Umgekippte Sportbänke und Hocker auf der einen Seite und ein heruntergelassener Raumteiler auf der anderen Seite. Dazwischen gehen junge Sportler des BRSV Sine Cura Quedlinburg, die seit einigen Monaten im neuen „Schlösschen“ in Gernrode zur Schule gehen, mit Eishockey-Stöcken ähnelnden Schlägern auf Jagd nach einem kleine Lochball.

Heino Oehring und Hans-Heinrich Haase-Fricke machen sich beim BRSV Sine Cura ein Bild von der derzeitigen Spielfeldbegrenzung.

Einmal in der Woche treffen sie sich seit 2013 zum Floorball. Doch die Bedingungen sind in ihrer neuen Trainingshalle auf dem Gernröder Hagenberg noch nicht optimal für ihre Sportart. Hier fehlen die Banden, die verhindern, dass der Lochball ständig in der gesamten Turnhalle herumfliegt. Banden gehören zum Floorball wie zum  Eishockey. Sportlehrerin Eva-Marie Siegmund, AG-Leiter Dirk Harnisch, BRSV-Chefin Petra Klingner und Schulleiterin Birgit Schröder wurden nun in ihrem Hilferuf erhört. „Wir bekommen eine neue Bande“, freute sich Petra Klingner nach einem Anruf von der Harzer Volksbank.

Mit dem BRSV Sine Cura hatte sie vor ein paar Jahren bei der damaligen Ost Volksbank die erste Runde der „Sterne des Sports“ gewonnen. Die Jury wurde damals mit dem „Fitnessjuwel“ überzeugt, das die geistig behinderten Kinder zum Sporttreiben animiert. Nun konnten sie die Vorstände des regionalen Geldinstitutes mit der Bitte um Geld für die jungen Floorballer erweichen. „Wir mussten über unseren Schatten springen“, gestand Vorstandssprecher Hans-Heinrich Haase-Fricke. Schließlich mussten für die Nachwuchsarbeit diesmal nicht nur 1 000, sondern 5 000 Euro locker gemacht werden. „Aber wir wollen ja Leuchttürme in der Region schaffen. Wir haben uns gefreut, dass wir es so einsetzen können.“

Bislang konnten die Floorballer die Bande der TSG GutsMuths in der Quedlinburger Bodelandhalle nutzen. Nun brauchten sie eigene. Dass die Schüler Floorball spielen, daran sei der Chef des Landesverbandes schuld, schilderte Eva Siegmund. Mit der Idee, dass behinderte Kinder 2015 erstmals bei einer Floorball-Weltmeisterschaft dabei sein könnten, motivierte er die Sportlehrer zu Weiterbildungen und die Einführung der neuen Ballsportart für die geistig behinderten Kinder. Dass es am Ende nicht mit der WM-Teilnahme klappte, störte wenig. Floorball macht Spaß, bestätigt nicht nur Nico, der von Anfang an dabei ist.

Höhepunkt war für die jungen Sportler die Teilnahme einer integrativen Mannschaft an einem Turnier in Garmisch-Partenkirchen. Mitglieder des Quedlinburger Vereins und Gymnasiasten aus Wernigerode, die beim Nachwuchs des Bundesliga-Teams der Red Devils spielen, und Schüler aus Halberstadt machten mit. „Dass wir am Ende gewonnen haben, war total cool“, erinnert sich Siegmund. Außerdem nehmen die zehn jungen Floorballer an jährlich zwei Turnieren teil, von denen sie eines selbst ausrichten.

Im Oktober soll es die nächste Auflage geben. Dann, so hofft Dirk Harnisch, bereits mit den neuen Kleinfeld-Banden. Und vielleicht finden ja auch die Sekundarschüler der benachbarten Hagenberg-Schule zu diesem neuen Sport und gehen bald mit den Sine-Cura-Kindern auf Balljagd. „Integrativ ist total Klasse“, weiß Eva Siegmund.