Besser, als wir glauben

Carola Schmidt beim 8. Zukunftsportal Harz

VON JESSICA HANACK/MZ Quedlinburg - Der Tourismus ist von großer Bedeutung für den Harz und liefert positive Zahlen. Trotzdem gibt es noch Entwicklungspotenzial.

Tourismus im Harz - Wirtschaftsfaktor und Imageträger

"Wir sind oft besser, als wir glauben" - das ist wohl ein Satz, der in vielen Zusammenhängen gültig ist. In diesem Fall geht es um den Harz, der von einigen immer noch unterschätzt wird. Völlig zu Unrecht, wie Carola Schmidt, Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbands, im Rahmen des "Zukunftsportals Harz" erklärte.

Bereits zum achten Mal organisierte die Harzer Volksbank die Veranstaltung, dieses Mal unter dem Titel "Tourismus im Harz - Wirtschaftsfaktor und Imageträger". Das Thema sei bewusst gewählt worden, so Vorstandssprecher Hans-Heinrich Haase-Fricke, "weil wir der Meinung sind, dass Tourismus immens wichtig ist und dass er auch für uns, die wir hier leben, ein Riesenvorteil ist".

Ein Aussage, die Carola Schmidt definitiv unterschreiben würde. Laut dem Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) lagen die touristischen Umsätze im gesamten Harz 2014 bei knapp 1,7 Milliarden Euro. Die Zahl der Übernachtungen ist 2015 im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gestiegen und knackte damit die 6,5-Millionen-Marke.

Von den Besuchern profitiere aber nicht nur das Gastgewerbe, sondern auch der Einzelhandel und der Dienstleistungssektor, wie Carola Schmidt betonte. "Die vielen Einkaufsmöglichkeiten könnten wir allein mit der Wirtschaftskraft der einheimischen Bevölkerung nicht führen", sagte sie. Als Jobmotor sei der Tourismus ebenfalls von großer Bedeutung, weil er Arbeitsplätze vor Ort schaffe, die nicht ins Ausland verlagerbar seien.

Die Zahlen klingen überzeugend. Bereits jetzt ist der Anteil des Tourismus am Primäreinkommen im Harz höher als im Bundesdurchschnitt. Auch die Ergebnisse der "Destination Brand Studie" von 2012 geben Grund für Zufriedenheit. Was die Bekanntheit als Reiseziel angeht, belegt der Harz im Vergleich mit anderen Mittelgebirgen und Berglandschaften Platz vier - hinter dem Schwarzwald, dem Bayerischen Wald und dem Erzgebirge. 86 Prozent der Befragten gaben an, den Harz als Reiseziel zu kennen. Die Reisebereitschaft für eine Kurzreise lag bei 41 Prozent, für eine längere Reise bei 27 Prozent. Damit ist der Harz sogar auf dem dritten Platz.

Dennoch gibt es noch Raum für Entwicklung. Carola Schmidt schlussfolgerte aus den Ergebnissen: "Wir müssen nicht an der Bekanntheit arbeiten, sondern an den Inhalten. Wir müssen den Leuten klarmachen, was den Harz ausmacht." Denn viele Menschen verbinden mit dem nördlichsten deutschen Mittelgebirge in erster Linie eine besondere Landschaft.

"Die Bereiche Spaß, Outdoor und Natur sind Selbstläufer", sagte Carola Schmidt. Der Kulturreichtum in der Region sei dagegen oft noch unbekannt und die Vermarktung eine besondere Herausforderung, weil Kultur meist als ein Thema für Großstädte angesehen werde. Mithilfe von Auftritten auf Messen oder den sozialen Netzwerken versucht der Tourismusverband zu zeigen, wie viele Kulturschätze auch hier im Harz zu finden sind.

Ein weiteres Problem seien die Vorurteile von Menschen, die noch nie oder lange Zeit nicht im Harz waren, berichtete Claudia Schmidt von ihren Erfahrungen. Diese "Unwissenden", wie Schmidt sie nennt, hätten häufig ein falsches Bild vom Harz. "Ja, es gibt Bauruinen, leerstehende Geschäfte und Gastronomiebetriebe", gab sie zu. Aber das sei kein Problem des Harzes, das gebe es auch in anderen Touristenregionen. Dennoch: Der Trend im Harz geht in die richtige Richtung und der Vorsatz für die Zukunft ist für Carola Schmidt klar: "Die Devise lautet: durchhalten und weitermachen."