Frau Mücksch im Glück

Harzer Volksbank spendet 8000 Euro für die Kanzel-Restaurierung in St. Stephani.

VON KERSTIN BEIER ASCHERSLEBEN/MZ - "Der Frau kann man ja stundenlang zuhören", sagt Heino Oehring bewundernd. "Die Frau" ist Dorothee Mücksch, Pfarrerin i.R., und der Bewunderer kommt als Vorstand der Harzer Volksbank zu einer Stippvisite in die Stephanikirche. Gemeinsam mit einigen Kollegen aus der Bank lauscht er den Worten von Dorothee Mücksch, die die Männer unaufgeregt und anschaulich mitnimmt auf eine Kurz-Reise durch die Baugeschichte. Und weil sie nun einmal Banker zu Gast hat, erklärt sie das Wesen der Baustile von der Antike über die Romanik und Gotik bis zum Barock anhand von Euro-Banknoten, die charakteristische Bauten der jeweiligen Epoche zeigen.

Dorothee Mücksch gibt den Gästen einen Einblick in die Geschichte der Kirche.

Angekommen beim Barock auf dem 100-Euro-Schein, ist sie beim Thema und beim Anlass des Besuchs. Denn die Gäste kommen nicht mit leeren Händen in die Kirche, sondern haben eine Spende in Höhe von 8000 Euro mitgebracht. Für Dorothee Mücksch ein großartiges Geschenk, denn sie bemüht sich in einer privaten Initiative, genügend Geld für die Restaurierung der großen Kanzel zusammenzubringen, die den Innenraum der Kirche entscheidend prägt. Die aufwändige Restaurierung des Kunstwerks, das aus dem Jahr 1656 stammt, wird etwa 80 000 Euro kosten. Geld, das die Kirchengemeinde in keinem Falle hat, wie Pfarrerin Anne Bremer den Gästen erklärt. Denn vordringlich muss sich die Kirchengemeinde um Dach und Fassade kümmern. All die Superlative wie "größte Dachfläche" einer Kirche in Sachsen-Anhalt oder "größtes Geläut" einer Stadtkirche nützen wenig, so die Pfarrerin, wenn es um die Kosten der Erhaltung geht. "Und Aschersleben ist trotz der Superlative leider nicht so bedeutend, dass hier die Masse an Fördermitteln ankommt."

Der Wunsch von Dorothee Mücksch, die Kanzel vom Staub und von Übermalungen der Jahrhunderte zu befreien und sie endlich in alter Schönheit strahlen zu lassen, lässt sich also nur in Privatinitiative erfüllen. Die 8000 Euro von Volksbank und der Stiftung der Volks- und Raiffeisenbanken hat die rührige Ex-Pastorin ihrem Ziel nun ein gutes Stück näher gebracht.

Der erste Teil der Restaurierung ist übrigens schon abgeschlossen und lässt erahnen, wie schön das Kunstwerk demnächst aussehen könnte. Denn im Sommer soll es mit dem unteren Teil der Kanzel weitergehen.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung Aschersleben