Atrium in der Hobelei

FDP-Chef Christian Lindner spricht vor Vertretern aus allen gesellschaftlichen Bereichen

ASCHERSLEBEN/MZ von Harald Vopel - 15-jährige Töchter seien ihm zu jung und der ihm angebotene Kräuter namens „Vegefeuer“ sei durchaus ein akzeptables Getränk, ließ Neu-Single Christian Lindner am Freitagabend am Rande des Ascherslebener Atriumgesprächs wissen. Die Veranstaltung trug zwar noch den Namen des Ortes, an dem sie das Licht der Ascherslebener Welt erblickt und bisher immer stattgefunden hatte nämlich dem Atrium im Bestehornpark, war aber in die Alte Hobelei umgezogen. Das erwies sich als richtig, weil diesmal so viele verlesene Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Verwaltung wie bisher noch nie gekommen waren. Rund 220 hatten die Organisatoren der Harzer Volksbank gezählt, die auch diesmal von zahlreichen Sponsoren bei der Vorbereitung und Durchführung unterstützt Wurden. Und vielleicht war es ja gerade der Gastredner, dessen Name mehr als sonst hinter dem Sprichwörtlichen Ofen vorgelockt hatte.

Der Chef der Bundes-FDP bewies ihnen jedenfalls, dass er durchaus zu den begnadetsten Rednern im Deutschen Bundestag gehört. Frei von der Leber weg, heiter bis witzig, nachdenklich und manchmal auch Widerspruch fordernd breitete Lindner seine Intensionen zu Politik, Wirtschaft zu sozialen Fragen sowie zur Zukunft Europas und der Welt aus. Vieles dürfte dem politisch interessierten Atrium-Gespräch-Publikum bekanntgewesen sein. Anderes hörte sich live aus dem Mund des Chef-Liberalen vielleicht anders an als gewohnt.

Und wenn Lindner der in Deutschland in fast allen gesellschaftlichen Bereichen überbordende Bürokratie am liebsten den Garaus machen würde, dann war ihm auch in der Alten Hobelei der Beifall sicher. Und wenn er Menschen zu mehr Engagement motivieren will, eine neue Politikergeneration fordert, eine Steuerreform anmahnt, die Macht großer Konzerne wie Facebook anprangert oder den Blick auf die Bereitschaft zu Veränderungen schärfen möchte - dann auch. Am Ende hatte Lindner nicht nur auch Fragen aus dem Publikum beantwortet sondern auch zum Gelingen der vierten Auflage des Atrium-Gesprächs beigetragen. Nicht zuletzt lieferte er den honorigen Gästen viel Gesprächsstoff für deren abendliches Beisammensein.

Als das Atrium-Gespräch mit dem Hintergrund. in ungezwungener Atmosphäre abseits des unternehmerischen Alltags miteinander ins Gespräch kommen zu können, aus der Taufe gehoben wurde, stand die Hoffnung, dass es sich zu einer Tradition mausern würde. Spätestens nach der diesjährigen Auflage steht fest, die Hoffnung hat sich erfüllt. Auch wenn dieser Abend künftig nicht mehr an seinem Geburtsort stattfinden sollte.