Ein Abend mit der goldenen Königin

„Noten in der Bank“ mit Sopranistin Meike Leluschko und Harfenistin Jenny Meyer

Goslarsche Zeitung/Bad Harzburg von Angela Potthast - Eine Königin in der Harzer Volksbank, groß, prächtig und wohlklingend. Es ist die Konzertharfe von Jenny Meyer. Gemeinsam mit Sopranistin Meike Leluschko hat die Harfenistin den Konzertteil „Noten in der Bank“ während der „49. Harzburger Musiktage“ entstehen lassen, den das Publikum mit reichlich Applaus bedachte und der mit einer Zugabe endete.

„Eine Harfe mal so aus der Nähe zu sehen, ist was Wundervolles“, so ein Gast zu einem anderen Gast, „Und dann auch noch etwas darüber zu erfahren…“ Ja, die Musikerinnen musizierten nicht nur, sie garnierten ihren Vortrag mit Erläuterndem. Meike Leluschko zu den Werken – die meisten sind für Gesang und Klavier, nicht für Harfe geschrieben –, Jenny Meyer zu ihrem Klangwerkzeug, das Musiktage-Organisiatorin Eva Csaranko als Königin der Instrumente bezeichnete.

Auszüge aus der kleinen Meyerschen Harfenkunde: Das Instrument ist ein sehr altes, wurde im alten Ägypten genutzt, war damals nur viel kleiner, hatte fünf bis acht Saiten. Etwas größer war die keltische Harfe mit 30 bis 38 Saiten, sie ist in Irland sehr beliebt, ziert die irischen Euromünzen.

Jenny Meyer und Meike Leluschko verzauberten das Publikum der 49. Harzburger Musiktage

Die Konzertharfe, wie sie heutzutage in Orchestern zu sehen ist, wurde 1810 in Paris entwickelt, hat in der Regel 47 Saiten und 7 Pedale – eines für jeden Stammton. 40 Kilogramm wiegt das Instrument von Jenny Meyer.

Die Organisiatorin Eva Csaranko erhält zum Dank einen Blumenstrauß von Hans-Heinrich Haase-Fricke & Heino Oehring

Auch wenn es so ausschauen mag, die Schulter der Musikerin trägt das Gewicht nicht. Andernfalls wären ihr rechter Arm und ihre rechte Hand nicht so frei im Spiel. Und das war am Mittwochabend sowohl handwerklich beeindruckend als auch klanglich mitunter ungewohnt bei den Richard-Strauß-Werken, vor allem aber einfach nur schön. Mit acht Fingern – die beiden kleinen werden nicht eingesetzt – zog die Harfenistin die Melodien aus ihrem Instrument, trat mit den Füßen die Pedale und schlug mitten im konzentrierten Tun auch noch die Notenblätter um. Sanftheit, die verbindet man mit Harfe.

Dass sie zudem ganz anders kann, war am Dienstag zu hören: Oft legte sich ihr Klang tatsächlich schmeichelnd, tragend hinter den so akzentuierten und empfindungsvollen Gesang von Meike Leluschko. Doch ging er auch in den Vordergrund, und das unaufdringlich, aber bestimmt. Im Solo war die Harfe ebenfalls dran. Für das nach der Pause gab es Begeisterungs-Pfiffe und langanhaltenden Beifall. Der kam zudem am Ende des Konzertprogramms unter dem Titel „Impressionen“ und war adressiert an beide Damen, die dem Publikum als Zugabe ein Ständchen boten: „Guten Abend, gute Nacht“. Ein Schlusspunkt in deutsche Sprache, nachdem sich die Musikerinnen für den ersten Part Französisches von Gabriel Fauré, Claude Debussy und Maurice Ravel ausgesucht hatten.