Impulse im Atrium

Netzwerke bilden aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung - die diesjährigen Ascherslebener Gespräche mit Stefan Ziegert wollen zudem Denkanstöße zum Umweltschutz geben.

VON REGINE LOTZMANN ASCHERSLEBEN/MZ - „Es war vor etwa fünf Jahren, als vier Ascherslebener Unternehmer auf einer gemeinsamen Rückfahrt aus Niedersachsen eine Entscheidung trafen“, erzählt Heino Oehring. Die Männer, so erinnert sichder Vorstand der Harzer Volksbank, waren begeistert von dem Termin, von dem sie gerade kamen. Es war eine Vernetzung aus regionaler Wirtschaft und Verwaltung. „Das ist gut“, fanden die vier damals. „Das machen wir in Aschersleben auch.“ Und so konnte Oehring nun am Freitagabend in der imposanten Industriekulisse der Alten Hobelei die inzwischen fünften Ascherslebener Atriumgespräche eröffnen. 

Minister unter den Gästen

Gut vernetzt - Die Sponsoren der Atriumgespräche mit dem Gastredner Stefan Ziegert.

„Mit dieser Veranstaltung wollen wir zur Steigerung der Attraktivität unserer Stadt Aschersleben beitragen“, nennt Oehring das Ziel des Abends. Und hofft auf ein starkes Netzwerk aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft. Und so ist es kein Wunder, dass sich unter den zahlreichen Gästen eben auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann tummelt. Politiker, wie der Landtagsabgeordnete Detlef Gürth, die Vorstände von Banken, Vertreter der Industrie- und Handelskammern, der Kreishandwerkerschaft und zahlreicher Unternehmen der Eine-Stadt. Statt Eintrittspreisen nehmen die Veranstalter - die Harzer Volksbank, unterstützt durch viele Sponsoren - Spenden, die in diesem Jahr der Jugendförderung der Stadt zugute kommen. Doch es geht auch um Denkanstöße, neue Impulse. Dieses Mal zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Denn wenn Heino Oehring an die Stürme, Unwetter und die langen Trockenperioden der letzten Jahre denkt, ist er überzeugt, dass irgendetwas passieren muss. „Wir brauchen ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wirtschaftlichkeit, Wachstum und Umweltverträglichkeit“, findet der Vorstand deshalb.

Problem für Menschheit

Wenn man sich die Klimaaufzeichungen der letzten 125 Jahre anschaue, habe es die 18 wärmsten Perioden auf der Welt in den letzten 18 Jahren gegeben. „Und wenn das so weitergeht, hat die Menschheit ein ziemlich großes Problem“, erklärt auch Stefan Ziegert. Der Gastredner des Abends ist Unternehmenssprecher und Produktionsmanager von Scania Deutschland und Österreich. Einem - mit 46 200 Angestellten und 10,5 Milliarden Euro Umsatz - der größten Unternehmen der Welt.

Stefan Ziegert - Gastredner der Atriumgespräche spricht über die nachhaltige Transportlösungen bei Scania. (Foto: R. Göttel)

Scania mit Lösungen

Scania stellt Nutzfahrzeuge, wie Lastkraftwagen, aber auch Busse und Schiffs- und Industriemotoren her. Ziegert ist verantwortlich für nachhaltige Transportlösungen und berichtet von Gasantrieben, Oberleitungen und Brennstoffzellen für Lkw. „Wir bei Scania haben das Thema ‚Umweltfreundliche Transporte‘ in unserer DNA“, sagt der Redner und berichtet von Neuentwicklungen, Teststrecken, alternativen Antrieben und Kraftstoffen. Die könnten gleich mehrere Probleme angehen. Der Produktionsmanager nennt Verkehrsdichte, Schadstoffausstoß, Energieunsicherheit oder den Klimawandel. Ziegert weiß, wie wichtig diese Entwicklungen sind. So seien in Deutschland zwar 56 Millionen Pkw unterwegs und nur drei Millionen Laster, doch die permanent. „14 Prozent des Treibhausgases sind der Transportbranche zuzurechnen.“

Gut gefüllt - Zahlreiche Gäste aus Aschersleben und Umgebung folgten der Einladung.

Und so werden immer mehr klimafreundlichere Antriebe ausprobiert. Eine große Herausforderung dabei sei aber das Tanken. „Bei biogenen oder alternativen Kraftstoffen ist das nämlich schwierig.“ So gebe es in den Niederlanden zum Beispiel 26 Erdgastankstellen, in Deutschland nur vier. „Doch wir sind dabei, das Netz auszubauen.“ Bis 2020 sollen es schon 30 bis 40 sein. Ziegert nennt auch andere gute Beispiele. So wolle etwa McDonalds in Zukunft nur noch mit klimafreundlichen Lkw auf den Straßen unterwegs sein. „Und seit Anfang des Jahres gibt es eine Maut-Befreiung für Fahrzeuge mit klimafreundlichem Antrieb.“ Genau so müsse es weitergehen, findet der Gastredner. Denn jeder könne seinen Beitrag leisten, damit die Klimaziele erreicht werden können. Die Folgen sonst wären nicht abzusehen. „Eine Erderwärmung über zwei Grad Celsius würde massiven Einfluss auf unser tägliches Leben haben“, spricht Ziegert von starker Hitze und langen Dürreperioden, ausgetrockneten Flüssen und hohen Spritpreisen, von schmelzenden Polkappen, die den Meeresspiegel ansteigen lassen, und einer ungeheuren Methanfreigabe aus den Permafrostböden Sibiriens. „Das muss man unbedingt vermeiden, denn wenn erst der erste Dominostein gefallen ist, wird’s schwer, das zurückzudrehen.“